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Ehemaliger Premierminister und EU-Kommissar Špidla wird Akademie leiten

www.aktualne.cz, Martina Machová
29.10.2011

Der ehemalige EU-Kommissar und ČSSD-Vorsitzende Vladimír Špidla versucht die Denkfabrik der tschechischen Sozialdemokratie zu beleben – die Demokratische Masaryk-Akademie (MDA).

Er übernahm die Leitung nach dem Politikwissenschaftler Jan Černý und möchte aus der Akademie ein Zentrum linker progressiver Gedanken machen. Dabei setzen die Sozialisten auf den internationalen Ruf von Špidlas Namen und seine reichhaltigen Kontakte ins Ausland.

„Ich will mich dafür einsetzen, dass die Dominanz der konservativen und liberalen Stimmen etwas aufgeweicht wird,“ nannte Špidla sein Hauptmotiv.

Die demokratische Masaryk-Akademie (früher Masaryk-Arbeiterakademie) ist frei mit der tschechischen Sozial­demokratie verbunden. In der Vergangenheit fristete sie unter den ČSSD-nahen Institutionen eher ein Mauerblümchendasein und hatte kaum Einfluss. Dies hing in großem Maße auch mit Geldmangel zusammen.

Špidla hat jetzt ehrgeizige Pläne. In der Akademie sollen nach seinen Vorstellungen Fachanalysen entstehen, die Akademie soll ein dichtes Expertennetz versammeln, das auf der Grundlage sozialdemokratischer Gedanken über strategische politische Fragen diskutieren kann.

 

Ziel ist eine ČSSD-Hochschule

„Als Fernziel möchten wir eine festere Grundlage errichten, die einer Hochschule ähnlich sein könnte. Das ist jedoch noch ferne Zukunft,“ fügte Špidla hinzu.

Für den Anfang möchte er die demokratische Masaryk-Akademie jedoch zunächst in eine Institution ähnlich der deutschen Friedrich-Ebert-Stiftung umwandeln, die eine Stiftung der deutschen SPD ist.

Neben eigenen Publikationen, Veranstaltungen und Konferenzen zu sozialdemokratischen Themen verfügt die FES auch über eine umfangreiche Bibliothek über die Arbeiterbewegung und bietet jungen Talenten Stipendien.

Mit der FES arbeitet die demokratische Masaryk-Akademie zurzeit zusammen mit ihrem slowakischen Gegenstück ASA-Institut am Projekt einer Sozialdemokratischen Akademie.

Diese soll eine Bildungsplattform für junge Sozialdemokraten werden, die in den Augen ihrer Parteien eine politische Zukunft haben.

 

Unterricht für unsere Talente

„Wir versuchen junge Menschen, von denen ein aktives politisches Leben erwartet werden kann, ordentlich auszubilden, damit sie eine philosophische Basis haben und die Grundlagen des Politik-Handwerks beherrschen,“ führte Špidla aus.

Eine ähnliche Zusammenarbeit plant Špidla auch mit der ähnlichen Institution in Österreich, dem Karl-Renner-Institut, mit dem schon eine Vereinbarung besteht. Gegenwärtig laufen die Verhandlungen mit der den französischen Sozialisten nahe stehenden Fondation Jean-Jaurès.

Ebenso wie in der Vergangenheit hängen die Pläne der MDA jedoch in hohem Maße von den zur Verfügung stehenden Mitteln ab. Zurzeit gibt es keine großen Sponsoren und die Akademie überlebt vor allem dank Mitgliedsbeiträgen oder der Unterstützung der Sozialdemokratie.

Auch für das nächste Jahr soll die Finanzierung der Akademie vor allem durch die ČSSD selbst gesichert werden. Auch die Partei selbst ist jedoch nicht in der besten finanziellen Lage und musste ein Sparprogramm auflegen. Zudem sagte Špidla auch selbst, eine gewisse Unabhängigkeit von der Sozial­demokratie erreichen zu wollen.

In der Zukunft sollten freilich die Meisten Gelder aus Fördermitteln kommen, nicht nur aus der Europäischen Union. „Gegenwärtig bewerben wir uns um Fördermittel für politische Bildung. Wir möchten auch Förderprojekte nutzen. Wenn es gelingt, sollten Fördermittel den größten Teil unserer Einnahmen ausmachen,“ schloss Špidla.

 

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